Adoption und Eingewöhnung

Tier aus dem Tierheim: 8 Mythen, die Menschen zögern lassen

Die Sätze, die wir am häufigsten hören: „die sind doch krank“, „die haben eine kaputte Psyche“, „ein Rassetier ist besser“. Gehen wir sie der Reihe nach durch.

Aktualisiert: 16. August 2026


Menschen fürchten selten die Tiere selbst — sie fürchten, was sie über sie gehört haben. Und fast all diese Vorstellungen sind entweder stark übertrieben oder schlicht falsch. Hier die häufigsten.

Mythos 1. „Tierheimtiere sind krank“

In einem funktionierenden Tierheim werden Tiere untersucht, geimpft, gegen Parasiten behandelt und kastriert. Über den Gesundheitszustand eines konkreten Tieres wird offen gesprochen — es gibt keinen Grund, etwas zu verschweigen, denn eine Rückgabe tut allen weh. Zum Vergleich: Ein Tier vom Markt oder „von privat“ hat oft gar keine tierärztliche Vorgeschichte — dort liegt das eigentliche Risiko.

Was wirklich sinnvoll ist: nach der Tierakte fragen, Impf- und Behandlungsdaten notieren und das Tier in der ersten Woche der eigenen Tierarztpraxis vorstellen.

Mythos 2. „Die haben eine kaputte Psyche“

Tiere sind erstaunlich anpassungsfähig. Ja, manche haben konkrete Ängste — laute Geräusche, Männer, Stöcke, Aufzüge. Aber Angst ist keine Kaputtheit, sondern eine gelernte Reaktion, und sie verblasst, wenn Monat für Monat nichts Schlimmes passiert.

Wichtiger ist etwas anderes: Im Tierheim sieht man das Tier täglich, sein Charakter lässt sich viel genauer beschreiben, als man das erwachsene Wesen eines Welpen vorhersagen könnte.

Mythos 3. „Ein erwachsenes Tier bindet sich nicht mehr“

Das ist wohl der hartnäckigste Mythos — und der, der in der Praxis am schnellsten fällt. Erwachsene Hunde und Katzen binden sich genauso stark, nur langsamer: nicht in drei Tagen, sondern in drei Monaten. Viele, die ein erwachsenes Tier aufgenommen haben, sagen, sie hätten nie eine solche Hingabe erlebt.

Mythos 4. „Ein Rassetier ist besser und berechenbarer“

Eine Rasse gibt einen Rahmen vor, keinen konkreten Charakter. Innerhalb jeder Rasse gibt es ruhige und hyperaktive Tiere. Bei einem erwachsenen Tierheimtier ist der Charakter bereits sichtbar — das ist eine Tatsache, keine Prognose. Zudem haben Mischlinge tendenziell seltener rassetypische Erbkrankheiten.

Tipp

Wenn Ihnen Berechenbarkeit wichtig ist, nehmen Sie ein erwachsenes Tier statt eines Welpen. Das ist der häufigste Rat von Menschen, die mit Tierheimen arbeiten.

Mythos 5. „Ein Tierheimhund lässt sich nicht erziehen“

Erziehung hängt nicht von der Herkunft ab, sondern von Motivation, Konsequenz und kurzen regelmäßigen Einheiten. Erwachsene Hunde lernen oft schneller als Welpen, weil sie sich besser konzentrieren. Viele Tierheimhunde kennen bereits Grundkommandos — es hat nur niemand gefragt.

Mythos 6. „Eine Tierheimkatze wird nicht anhänglich“

Katzen sind sehr verschieden, und das hat nichts damit zu tun, wo sie gelebt haben. Im Tierheim gibt es überaus kontaktfreudige Katzen, die sofort auf den Schoß kommen, und unabhängige, denen bloße Nähe genügt. Der Unterschied ist nur: Hier sagt man es Ihnen ehrlich, statt Ihnen die beste Version zu verkaufen.

Mythos 7. „Das Tier rächt sich für das Ausgesetztwerden“

Rache ist ein menschliches Konzept. Tiere schmieden keine Rachepläne. Was Menschen Rache nennen — eine Pfütze im Bett, zerstörte Gegenstände — ist fast immer Stress, Trennungsangst oder ein Gesundheitsproblem. Das löst man, statt es zu bestrafen.

Mythos 8. „Kostenlos heißt, irgendetwas stimmt nicht“

Ein Tierheim verkauft keine Tiere, deshalb gibt es keinen Preis. Das ist kein Rabatt und keine Mängelware, sondern eine völlig andere Logik. Das Ziel ist nicht Gewinn, sondern ein freier Platz für das nächste Tier, das nirgends hinkann.

Was Sie tatsächlich bekommen

  • Einen Charakter, den Sie vorher sehen, nicht erst nach einem Jahr.
  • Ein Tier, das tierärztlich untersucht und in der Regel kastriert ist.
  • Eine ehrliche Beschreibung seiner Eigenheiten — auch der unbequemen.
  • Die Möglichkeit, es vor der Entscheidung mehrmals zu treffen.
  • Unterstützung durch Ehrenamtliche, nachdem Sie es mitgenommen haben.
  • Und einen frei gewordenen Platz für ein weiteres Tier ohne Zuhause.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine Beratung durch Tierarzt oder Verhaltensfachleute. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich an eine Tierarztpraxis.

In unserem Tierheim leben über 1000 Hunde und 200 Katzen

Jedes von ihnen wartet auf seinen Menschen. Vielleicht auf Sie.

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