Adoption und Eingewöhnung

Wenn Sie Ihr Tier nicht mehr behalten können

Darüber spricht man ungern laut — und genau deshalb wählen Menschen still die schlechteste Variante. Reden wir ehrlich darüber: wann sich die Lage noch retten lässt, und wie man vermittelt, ohne dass das Tier dafür bezahlt.

Aktualisiert: 20. September 2026


Umzug, Krankheit, Jobverlust, ein Kind, Auswanderung — Leben geraten nicht nur bei verantwortungslosen Menschen aus den Fugen. Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlimmen Geschichte liegt nicht im Grund selbst, sondern darin, was danach passiert. Die schlimmsten Ausgänge entstehen meist nicht aus bösem Willen, sondern aus Scham: Jemandem ist es peinlich, es zu erklären, er sagt niemandem etwas — und wählt am Ende die leiseste und furchtbarste Lösung.

Prüfen Sie zuerst, ob es wirklich ausweglos ist

Ein guter Teil der Gründe, mit denen Menschen ins Tierheim kommen, ist lösbar. Nehmen Sie sich eine Woche zum Prüfen, bevor die Entscheidung endgültig wird.

  • "Es zerstört Sachen, bellt, markiert." Das ist fast immer veränderbares Verhalten und kein Charakterzug. Zuerst Schmerz und Krankheit ausschließen, dann Langeweile und Trennungsangst angehen.
  • "Allergie." Oft wurde die Diagnose nie bestätigt und zu Hause nichts verändert. Wir behandeln das in einem eigenen Beitrag — fangen Sie dort an.
  • "Keine Zeit." Sehen Sie sich die tatsächlichen Zahlen an: Ein Hund braucht Spaziergänge und Zuwendung, nicht jemanden, der den ganzen Tag da ist. Manchmal löst eine Absprache mit Nachbarn oder einem Hundebetreuer die Frage vollständig.
  • "Ich ziehe um, dort sind Tiere nicht erlaubt." Das sollte man gezielt prüfen statt es anzunehmen. Mietbedingungen sind mitunter verhandelbar, und vielerorts sind die Regeln lockerer als gedacht.
  • "Vorübergehende Umstände": Klinikaufenthalt, ein paar unsichere Monate. Hier braucht es keine neue Familie, sondern eine Pflegestelle. Das ist eine völlig andere und deutlich leichtere Aufgabe.

Tipp

Bevor Sie eine neue Familie suchen, sprechen Sie Ihre Lage offen aus — bei Freunden, Kolleginnen, in Ihren eigenen sozialen Netzwerken. Sehr oft findet sich die Lösung im zweiten Bekanntenkreis, und zwar schneller als über jede Anzeige.

Was Sie niemals tun dürfen

Kurz und ohne Beschönigung, denn diese Varianten kosten jedes Jahr Tiere das Leben.

  • Setzen Sie das Tier nicht auf die Straße. Ein Haustier "verwildert" nicht und "kommt nicht zurecht" — es stirbt an Verkehr, Hunger, anderen Hunden oder Menschen. Das ist keine zweite Chance, sondern ein langsamerer Tod.
  • Fahren Sie es nicht aufs Land und lassen Sie es nicht "bei irgendwem". Ein in fremder Umgebung ausgesetztes Tier findet nicht zurück.
  • Lassen Sie es beim Auszug nicht in der leeren Wohnung zurück. Das passiert häufiger, als man glaubt, und endet immer gleich.
  • Geben Sie es nicht an die erste Person ab, nur weil sie heute Zeit hat.
  • Binden Sie kein Tier nachts ans Tierheimtor oder an den Zaun. Gesehen wird es nicht sofort, und das Tier verbringt die Nacht allein und in Panik, manchmal auf der Fahrbahn.

Wie man eine neue Familie findet

Die Reihenfolge mit den besten Ergebnissen, vom verlässlichsten zum riskantesten Kanal.

  1. 1Der eigene Kreis: Familie, Freunde, Kolleginnen, Nachbarn. Die beste Variante, weil man die Person prüfen und in Kontakt bleiben kann.
  2. 2Der zweite Kreis — geteilte Beiträge von Bekannten. Noch vergleichsweise sicher: Jemand hat faktisch für die Person gebürgt.
  3. 3Lokale Gruppen und Fachgemeinschaften. Größere Reichweite, aber das Prüfen liegt allein bei Ihnen.
  4. 4Tierschutzgruppen und Tierheime. Oft helfen sie beim Verbreiten der Anzeige, auch wenn sie das Tier nicht aufnehmen können — Plätze sind fast immer belegt.
  5. 5Offene Kleinanzeigenportale — zuletzt und mit der sorgfältigsten Prüfung.

Eine Anzeige, die wirklich funktioniert, klingt nüchtern und nicht dramatisch. Ein paar scharfe Fotos bei Tageslicht, auf denen Augen und ganzes Tier zu sehen sind. Alter, Geschlecht, Größe, Kastration, Impfungen. Das Wesen, ehrlich: verträglich mit Kindern oder nicht, Reaktion auf andere Tiere, Angst vor lauten Geräuschen, Alleinbleiben. Und der Grund für die Suche, in normalen Worten und ohne Pathos.

Wichtig

Schreiben Sie nicht "dringend abzugeben" oder "kostenlos in jede Hand". Solche Formulierungen ziehen genau die Leute an, vor denen man schützen will: Händler, Weiterverkäufer und Sammler, die Tiere ohne jede Absicht zur Pflege aufnehmen.

Wie man Interessenten prüft

Kein Verhör nötig. Ein normales Gespräch und einige Fragen, deren Antworten viel verraten.

  • Wer wohnt sonst noch dort, und sind alle einverstanden? Ein Tier, das gegen den Willen eines Haushaltsmitglieds einzieht, kommt am häufigsten zurück.
  • Gab es früher Tiere, und was ist aus ihnen geworden? Die aufschlussreichste Frage überhaupt. Hellhörig werden sollte man, wenn Vortiere regelmäßig "entlaufen" oder "abgegeben" wurden.
  • Wo wird das Tier schlafen, und was ändert sich im Tagesablauf?
  • Was tun sie, wenn das Tier krank wird oder anfängt, Dinge zu zerstören?
  • Dürfen Sie das Tier selbst nach Hause bringen, statt es auf halbem Weg zu übergeben?

Der letzte Punkt ist keine Formalie, sondern der beste Filter überhaupt. Wer nicht zeigen will, wohin das Tier kommt, hat fast immer einen Grund. Eine Übergabe "an der Autobahn" oder "am Bahnhof" ist das klassische Händlermuster.

Tipp

Vereinbaren Sie eine Probewoche und eine einfache Bedingung: Wenn es nicht passt, kommt das Tier zu Ihnen zurück und geht nicht irgendwohin weiter. So bleiben Sie das letzte Sicherheitsnetz, und eine Kette von Weitergaben entsteht gar nicht erst.

Was mitgehen sollte

  • Impfpass, Angaben zu Impfungen, Entwurmung, Kastration, Mikrochipnummer, falls vorhanden.
  • Mindestens eine Wochenration des gewohnten Futters — das senkt Verdauungsprobleme am neuen Ort spürbar.
  • Decke, Spielzeug, Katzenklo — alles, was nach Zuhause riecht. Für Katzen besonders wichtig.
  • Ein handgeschriebenes Blatt: Tagesablauf, bekannte Kommandos, Ängste, wie man das Tier ruft, Gewohnheiten.
  • Ihre Kontaktdaten und die Bereitschaft, die ersten Wochen Fragen zu beantworten.

In den ersten Tagen kann ein Tier sich verstecken, das Futter verweigern, verstummen — oder umgekehrt nicht von der Seite weichen. Das ist normale Eingewöhnung und kein Fehlschlag. Sagen Sie das den neuen Halterinnen und Haltern vorher: Überraschung in der ersten Woche ist der häufigste Grund für eine Rückgabe.

Wenn Sie sich an ein Tierheim wenden

Ehrlich dazu, wie es läuft. Tierheime sind überfüllt und haben in der Regel keinen Platz — das ist eine physische Grenze und kein Unwille. Schreiben Sie deshalb rechtzeitig und nicht am Umzugstag, und schildern Sie die Lage ausführlich. Echte Hilfe sieht oft anders aus als erwartet: Verhaltenstipps, Verbreitung Ihrer Anzeige, ein Hinweis auf eine Pflegestelle. Manchmal reicht das, und die Frage löst sich ganz ohne Tierheim.

Und ein letzter Gedanke, den man aussprechen sollte. Für sein Tier ein neues Zuhause zu suchen, wenn man es wirklich nicht halten kann, ist kein Verrat. Verrat ist, es mit einem Problem allein zu lassen, das es nicht verursacht hat. Ein paar Wochen Mühe und ein paar unangenehme Gespräche sind der ganze Unterschied zwischen diesen beiden Varianten.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine Beratung durch Tierarzt oder Verhaltensfachleute. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich an eine Tierarztpraxis.

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