Pflege: Fell, Krallen, Zähne und Ohren
Pflege ist keine Kosmetik. Sie ist der eine Moment in der Woche, in dem Ihre Hände das ganze Tier abtasten und finden, was man aus der Entfernung nicht sieht.
Aktualisiert: 20. September 2026
Die meisten Halter sehen Pflege als Kosmetik: bürsten, damit weniger Haare auf dem Sofa landen. Das eigentlich Wertvolle ist ein anderes — beim Bürsten findet man Zecken, Knoten unter der Haut, Wunden, schmerzende Stellen und die ersten Anzeichen von Hautproblemen. Ein Tier sagt Ihnen nicht, dass etwas wehtut. Ihre Hände tun es.
Bürsten: das Wichtigste und das Einfachste
Die Häufigkeit hängt nicht von der Fellänge ab, sondern davon, ob Unterwolle vorhanden ist. Rassen mit dichter Unterwolle brauchen das ganze Jahr regelmäßige Arbeit, mit Spitzen im Fellwechsel. Bei kurzhaarigen reicht einmal pro Woche.
- Langes Fell mit Unterwolle — jeden zweiten Tag, sonst entstehen Verfilzungen schneller, als man sie auflösen kann.
- Dichte Unterwolle ohne langes Fell — mehrmals wöchentlich, im Fellwechsel täglich.
- Kurzes glattes Fell — einmal pro Woche, eher wegen Massage und Kontrolle als wegen der Haare.
- Katzen sind hier nicht weniger wichtig als Hunde: Alles, was Sie nicht herausbürsten, verschluckt die Katze beim Putzen.
Verfilzungen sind kein Schönheitsproblem. Sie ziehen an der Haut, darunter schwitzt und entzündet sie sich, und das Tier hat bei jeder Bewegung Beschwerden. Filz mit der Schere nah an der Haut herauszuschneiden ist riskant: Die Haut wird mit dem Fell angehoben, und ein Schnitt passiert schneller als gedacht. Feste Verfilzungen überlässt man besser jemandem mit einer Schermaschine.
Tipp
Beginnen Sie nicht an den Problemstellen, sondern am Rücken, wo es angenehm ist. Bauch, Pfoten und Rute kommen zum Schluss. So bleibt die Prozedur als angenehm in Erinnerung und nicht als Kampf.
Baden: seltener, als alle denken
Häufiges Waschen entfernt die Schutzschicht der Haut, und ein Kreislauf beginnt: Die Haut trocknet aus, juckt, das Tier kratzt, der Halter wäscht noch öfter. Einen gesunden Hund badet man alle paar Monate oder wenn er tatsächlich schmutzig ist. Eine gesunde Katze badet man gar nicht — sie kommt selbst zurecht; Ausnahmen sind starke Verschmutzung mit etwas Gefährlichem oder eine tierärztliche Anweisung.
- Warmes Wasser, nicht heiß. Einfacher Test: Es muss am eigenen Handgelenk angenehm sein.
- Legen Sie etwas Rutschfestes in die Wanne. Die halbe Angst vorm Baden ist die Angst, den Halt zu verlieren.
- Kein Wasser in die Ohren. Eingedrungenes Wasser ist eine häufige Ursache für Entzündungen.
- Das Mittel vollständig ausspülen. Shampoorückstände jucken und provozieren Lecken.
- Gründlich trocknen, besonders dichte Unterwolle: Nasse Unterwolle braucht einen Tag und kann darunter zu Hautproblemen führen.
Wichtig
Waschen Sie Tiere nicht mit Shampoo für Menschen, auch nicht mit Babyshampoo: Der Haut-pH von Hunden und Katzen ist ein anderer, und ein Humanprodukt stört die Schutzbarriere. Es muss ein Produkt für Tiere sein — und bei Katzen ausdrücklich eines für Katzen.
Krallen: nur beim ersten Mal beängstigend
Zu lange Krallen verändern die Pfotenstellung und führen mit der Zeit zu Gelenkproblemen. Im schlimmsten Fall wächst die Kralle in den Ballen ein — sehr schmerzhaft und ein Fall für die Praxis. Einfacher Test: Wenn Sie beim Laufen Klicken auf dem Boden hören, ist es so weit.
- 1Suchen Sie das Leben — die rosa Zone in der Kralle, in der Gefäß und Nerv verlaufen. Bei hellen Krallen ist sie sichtbar, bei dunklen nicht.
- 2Nur die Spitze abnehmen, in leichtem Winkel. Mehrere kleine Schnitte über einige Tage sind besser als ein großer.
- 3Bei dunklen Krallen auf die Schnittfläche achten: Sobald in der Mitte ein grauer oder dunkler Punkt erscheint, aufhören — das Leben ist nah.
- 4Bei nervösen Tieren eine Kralle pro Durchgang. Niemand verlangt alle zwanzig auf einmal.
- 5Die Wolfskrallen weiter oben am Bein nicht vergessen — sie nutzen sich nicht ab und wachsen am häufigsten ein.
Trifft man das Leben, blutet es und tut weh. Mit einem sauberen Tupfer andrücken und warten — meist steht die Blutung nach wenigen Minuten. Wichtig ist danach, das Schneiden nicht für immer aufzugeben, sonst erinnert sich das Tier beim nächsten Mal nur an den Schmerz.
Bei Katzen werden nur die Vorderkrallen und nur die Spitzen gekürzt. Ein Kratzbaum ersetzt das Schneiden nicht vollständig, verringert den Bedarf aber deutlich.
Zähne: der am häufigsten vergessene Teil
Zahnstein ist keine Frage der Optik. Er führt zu entzündetem Zahnfleisch, lockeren und verlorenen Zähnen, und eine chronische Entzündung im Maul belastet den ganzen Organismus. Trotzdem putzt kaum jemand seinem Tier die Zähne.
- Scharfer unangenehmer Maulgeruch ist kein "normaler Hundegeruch", sondern meist ein Hinweis auf ein Problem.
- Ein roter Saum am Zahnfleisch, brauner Belag am Zahnhals, Blutungen: alles Gründe für einen Praxisbesuch.
- Langsameres Fressen, Kauen auf einer Seite, Fallenlassen harter Stücke — oft sind es die Zähne und keine Launen.
- Regelmäßiges Zähneputzen ist das Wirksamste für zu Hause. Die Paste muss eine tierärztliche sein: Humanpaste ist nicht zum Verschlucken gedacht.
Tipp
Schrittweise gewöhnen: erst die Paste vom Finger lecken lassen, dann mit dem Finger die Zähne berühren, dann ein paar Sekunden mit der Bürste. Eine Woche kleiner Schritte wirkt besser als ein Versuch, alles auf einmal zu putzen.
Ohren und Augen
Hier gilt: weniger eingreifen. Gesunde Ohren brauchen keine wöchentliche Reinigung, und zu viel Hantieren löst selbst Entzündungen aus.
- Einmal pro Woche in die Ohren schauen. Normal ist saubere blasse Haut ohne Geruch.
- Warnzeichen: dunkles Sekret, starker Geruch, Kopfschütteln oder Kratzen am Ohr, schiefe Kopfhaltung.
- Niemals mit einem Wattestäbchen ins Ohr. Damit schiebt man den Inhalt tiefer, statt ihn zu entfernen.
- Augen: etwas klares Sekret in den Winkeln am Morgen ist normal. Eitriges Sekret, Rötung oder ein zugekniffenes Auge gehören in die Praxis.
- Rassen mit langen Hängeohren brauchen genauere Kontrolle: Die Belüftung ist schlechter und Entzündungen häufiger.
Wie man ein widerwilliges Tier gewöhnt
Widerstand ist fast immer die Folge davon, dass die Prozedur einmal mit Gewalt durchgesetzt wurde. Die Korrektur folgt derselben Logik wie bei der Transportbox: in winzige Schritte zerlegen und immer aufhören, bevor das Tier sich zu wehren beginnt.
- 1Mit Berührungen ohne Werkzeug beginnen. Einfach Pfoten, Ohren und Fang anfassen und sofort etwas Gutes geben.
- 2Das Werkzeug zeigen, beschnuppern lassen, wegräumen. Mehrmals täglich für wenige Sekunden.
- 3Einen Bürstenstrich oder eine Kralle machen — und aufhören. Rechtzeitig aufzuhören ist wichtiger als das Ergebnis.
- 4Niemals bis zum Ende festhalten. Ein einziges panisches Losreißen wirft Sie um Wochen zurück.
- 5Einen ruhigen Zeitpunkt wählen — nach dem Spaziergang oder dem Fressen, nicht wenn das Tier voller Energie ist.
Was Sie dabei eigentlich prüfen
Fahren Sie einmal pro Woche beim Bürsten mit den Händen über den ganzen Körper. Sie suchen nach:
- Knoten, Beulen und Schwellungen unter der Haut — besonders neue oder solche, die sich seit dem letzten Mal verändert haben.
- Stellen, an denen das Tier bei Berührung zuckt. Das heißt "hier tut es weh".
- Wunden, Kratzstellen, kahlen Stellen, Schuppen, Rötungen.
- Zecken — hinter den Ohren, am Hals, in den Achseln, zwischen den Zehen.
- Dem Zustand der Ballen: Risse, festgesetzter Schmutz, Fremdkörper zwischen den Zehen.
Tiere aus dem Tierheim kommen oft mit vernachlässigtem, verfilztem Fell nach Hause — das ist die Folge fehlender regelmäßiger Pflege und keine Charakterfrage. Arbeiten Sie die ersten Wochen in kurzen Einheiten und ohne Eile: Für viele von ihnen ist ruhiges Bürsten die erste Erfahrung, dass menschliche Hände angenehm sein können.
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